Konzept

Testen wir Tempo 30 am Gürtel

Lebensqualität zum Nulltarif

Wenn die Lebensqualität der Wiener*innen tatsächlich „an erster Stelle“ steht1, dann gibt es am Gürtel dringenden Handlungsbedarf – und eine überraschend einfache Lösung, die niemanden schlechter stellt und bei knappen Budgets (fast) nichts kostet.

Früher Prachtstraße – heute Prachtautobahn

Der Gürtel war nie als Lärmschneise gedacht. Otto Wagner plante insbesondere den Westgürtel als Prachtstraße und Luftreservoir2 – ein Ort, an dem Menschen wohnen, flanieren und sich aufhalten. Heute ist davon wenig übrig: Über 70.000 Fahrzeuge täglich, bis zu vier Spuren pro Richtung3, Dauerlärm, die schlechtesten Luftwerte und die meisten Unfälle, was den Gürtel zu einer der problematischsten Verkehrsachsen der Stadt macht4.

Die Belastung ist messbar

Die neue Messstation am Lerchenfelder Gürtel zeigt klar: Die Luft am Gürtel ist die schlechteste in Wien. Die Lärmkartierung der Stadt Wien weist entlang stark frequentierter Verkehrsachsen wie dem Gürtel eine anhaltende Überschreitung gesundheitsrelevanter Grenzwerte auf5. Luftverschmutzung und dauerhafte Lärmbelastung zählen laut WHO zu den beiden größten umweltbedingten Gesundheitsrisiken6, die mit Atemwegs- & Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen sowie psychischen Belastungen einhergehen6,7. Wissenschaftliche Schätzungen ergeben, dass der Verkehrslärm in Wien jährlich zu bis zu 90 frühzeitigen Todesfällen führt.8

Die Folgen sind konkret und spürbar

Bei offenem Fenster schlafen ist unmöglich, Gespräche auf der Straße werden vom Verkehr übertönt. Die Kirche Breitenfeld, Ende des 19. Jahrhunderts bewusst auf die Prachtstraße ausgerichtet, versteht ihren Pfarrer nicht, will man die Tore als Willkommenszeichen während der Messe offen halten. Gewerbe- und Gastronomiebetriebe sperren zu, sogar in den Nebenstraßen. Nachts wird der Gürtel zur öffentlich beworbenen Rennstrecke9. Er ist ein Unfallschwerpunkt für alle Verkehrsteilnehmer*innen4.

Der Gürtel funktioniert nicht einmal für Autofahrer*innen

Autofahren am Gürtel ist geprägt von Stress durch Stau an den immer gleichen Ampeln, Stop-and-Go und einem sehr hohen Unfallrisiko4. Dabei liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit unter 20 km/h, also deutlich unter dem erlaubten Tempo, wie Analysen zeigen10. Dennoch behandeln wir den Gürtel weiterhin so, als würde höhere Geschwindigkeit besseren Verkehrsfluss bringen. Die Lösung liegt auf der Hand:

Testphase

Testen wir Tempo 30!

evidenzbasiert, wissenschaftlich, transparent:

  • Drei Monate Messung des Status quo (Lärm, Luft, Verkehrsfluss, Unfälle)
  • Drei Monate Tempo 30 mit angepassten Ampeln und Geschwindigkeitskontrollen
  • Wissenschaftlich-transparente Begleitung, etwa durch TU Wien / BOKU

Die zentrale Frage ist einfach: Was würde sich tatsächlich ändern? Bestehende Studien zeigen: Tempo 30 erhöht die Verkehrssicherheit deutlich - Unfälle fallen seltener und weniger schwer aus. Und: „Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat in den meisten Fällen keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr.“11 Der Verkehrslärm sinkt, die Luftqualität steigt signifikant12. Damit verringert sich das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen6,7,13 deutlich. Volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe könnten eingespart werden13.

Enorme gesellschaftliche & wirtschaftliche Gewinne für alle

  • Weniger Lärm, bessere Luft → höhere Lebensqualität
  • Weniger Unfälle, Verletzte, Erkrankte → Entlastung des Gesundheits- und Sozialsystems
  • Verbesserter Verkehrsfluss → entspannteres Fahren und ein Ende von Autorennen
  • Aufwertung eines zentralen Stadtraums für rund 100.000 Menschen
  • Lokale Wirtschaft, Gastronomie und Handel, sowie Wiener Steuereinnahmen wachsen durch höhere Verweildauer14

Und das alles mit minimalem finanziellen Aufwand gerade in Zeiten notwendiger budgetärer Sparmaßnahmen. Dieser Test hat das Potenzial, das Leben von zehntausenden Menschen spürbar zu verbessern: Anrainer*innen und allen Gürtelnutzer*innen, einschließlich der Autofahrer*innen, Geschäfts- und Lokalbetreiber*innen.

Geben wir dem Gürtel eine neue Chance.

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Quellen mit eingebetteten Links

  1. Bluesky-Post von Stadtrat Jürgen Czernohorszky (abgerufen 16.04.2026): bsky.app/profile/chairnohorsekey.bsky.social
  2. Die Groszstadt: eine Studie über diese von Otto Wagner, Wien, Schroll, 1911 (wissenschaftliche Literatur)
  3. orf.at-Artikel vom 06.08.2025 (abgerufen 16.04.2026): wien.orf.at/stories/3315378
  4. Verkehrsunfallkarte Statistik Austria (abgerufen 16.04.2026): statistik.at/atlas/verkehrsunfall
  5. Lärmkarte Straßenverkehr (abgerufen 16.04.2026): laerminfo.at/laermkarten/strassenverkehr
  6. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs zu Verkehrslärm und Luftschadstoffen (abgerufen 16.04.2026): Verkehrslärm: gesundheit.gv.at/.../verkehr, Luftschadstoffe: gesundheit.gv.at/.../feinstaub
  7. Science-orf.at-Artikel vom 28.08.2024 (abgerufen 16.04.2026): science.orf.at/stories/3226472
  8. Khomenko S. et al: Impact of road traffic noise on annoyance and preventable mortality in European cities: A health impact assessment, in: Environment International 162 (2022), 107160 (wissenschaftliche Literatur)
  9. Instagram-Account Sternzeichen Gürtel (abgerufen 16.04.2026): instagram.com/sternzeichen_gurtel
  10. Analyse der Durchschnittsgeschwindigkeit (abgerufen 16.04.2026): tomtom.com/traffic-index/city/vienna
  11. Wirkung von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen, deutsches Umweltbundesamt, 2016: umweltbundesamt.de (PDF)
  12. Nutzen von Tempo 30, VCÖ (abgerufen 16.04.2026): vcoe.at/.../welchen-nutzen-hat-tempo-30
  13. Tempo-Reduktion im Verkehr bringt vielfachen Nutzen, VCÖ, 2021: vcoe.at Factsheet (PDF)
  14. Einkaufsstraßen beleben: Was bringt der lokalen Wirtschaft wirklich Umsatz?, Klimaaktiv (abgerufen 16.04.2026): klimaaktivmobil.at/.../wirtschaft-und-fussverkehr

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Rückfragen

AnrainerInnen-Initiative GÜRTEL LIEBE
www.guertelliebe.at / guertelliebe@gmail.com

Ansprechpartnerin: Nicolette Barg-Szalachy

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David Herlt, 1080 Österreich

Allein "Tempo 30" einmal für 12 Monate zu testen und wissenschaftlich auszuwerten, würde allen Debattierenden Erkenntnisgewinn und Klarheit bringen!

Anonym

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Joachim Tecklenburg, 1200 Österreich

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Anonym

Weil mir die Luftqualität als Radfahrerin sehr wichtig ist

Anonym